Zwischen Vermissen und Sicherheit

Zwischen Vermissen und Sicherheit

growlittleflower 27.07.2026 13:21 - Bearbeitet vor 2 Wochen von: growlittleflower
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Beitrag des Themenerstellers:

Hey,

ich konnte meine aktuellen Gefühle und Emotionen mal wieder am besten etwas poetisch ausdrücken, weshalb ich einen Poetry-Slam geschrieben habe, der über meine aktuelle Situation schreibt, mit der es mir sehr schlecht geht...

Familie.

Ein Wort, das für viele nach Zuhause klingt.

Für mich klingt es nach einem Ort, an dem ich mich selbst immer ein bisschen verloren habe.

Vor acht Monaten habe ich den Kontakt zu meinem Vater beendet.

Vor vier Tagen nun auch zu meiner Mutter und meinen Geschwistern.

Und seitdem frage ich mich, wie etwas gleichzeitig so richtig und so schmerzhaft sein kann.

Denn niemand entscheidet sich freiwillig dafür, keine Familie mehr zu haben.

Niemand wünscht sich, Geburtstage ohne Eltern, Feiertage ohne Zuhause, oder die Erkenntnis, dass man niemanden mehr anrufen möchte, obwohl man sich manchmal nichts sehnlicher wünscht, als genau das tun zu können.

Es gibt Momente, da trifft mich die Traurigkeit mit voller Wucht.

Dann frage ich mich, wie mein Leben wohl gewesen wäre, wenn Liebe sich sicher angefühlt hätte.

Wenn Nähe nicht gleichzeitig Angst bedeutet hätte.

Wenn Familie ein Ort gewesen wäre, an den man gerne zurückkehrt – statt einer, vor dem man fliehen muss.

Ich trauere.

Nicht nur um Menschen.

Ich trauere um Möglichkeiten.

Um Kindheit.

Um Erinnerungen, die ich nie haben werde.

Und trotzdem weiß ich, dass ich gehen musste.

Denn manchmal bedeutet Bleiben, jeden Tag ein kleines Stück von sich selbst zu verlieren.

Und manchmal bedeutet Gehen, zum ersten Mal überhaupt eine Chance aufs Leben zu bekommen.

Heute kennt niemand aus meiner Familie meine neue Adresse.

Alle Nummern sind blockiert.

Nicht, weil es mir egal ist.

Sondern weil ich endlich verstanden habe, dass Liebe nicht bedeuten darf, sich immer wieder verletzen zu lassen.

Dass Hoffnung nicht heißen muss, noch ein hundertstes Mal zurückzugehen.

Und dass Abstand kein Zeichen von Kälte ist.

Sondern manchmal der mutigste Akt von Selbstschutz.

Jetzt lebe ich seit letztem Dienstag in einer Wohngruppe.

Zum ersten Mal fühlt sich ein Ort ein bisschen nach Sicherheit an.

Noch ungewohnt.

Noch zerbrechlich.

Aber sicher.

Und genau deshalb weiß ich, dass ich diesen Abstand brauche.

Weil Heilung nicht dort entstehen kann, wo die Wunden jeden Tag neu aufgerissen werden.

Es ist ein seltsamer Zwiespalt.

Ich vermisse eine Familie, die ich gleichzeitig loslassen musste.

Ich weine um Menschen, zu denen ich nicht zurückkehren kann.

Ich wünsche mir Eltern, die es vielleicht nie so gegeben hat, wie ich sie gebraucht hätte.

Und trotzdem gehe ich weiter.

Nicht, weil es leicht ist.

Sondern weil ich zum ersten Mal glaube, dass ich mehr verdiene, als nur zu überleben.

Vielleicht ist das Erwachsenwerden manchmal genau das:

Zu akzeptieren, dass Liebe allein nicht immer reicht.

Dass manche Menschen Familie sind, ohne Geborgenheit zu schenken.

Und dass man sich manchmal selbst retten muss, auch wenn dabei das Herz in tausend Stücke zerbricht.

Vielleicht werde ich sie vermissen.

Vielleicht auch noch lange.

Aber ich hoffe, dass ich mich eines Tages nicht mehr nur an das erinnern kann, was ich verloren habe.

Sondern an den Tag, an dem ich den Mut hatte, mich endlich selbst zu finden.

Liebe Grüße

Flower